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Diagnose
1988 - Ich war 20 Jahre alt, hatte mein Abitur in der Tasche und machte mich auf, bei der Bundeswehr eine Offizierslaufbahn einzuschlagen. Alle gesundheitlichen Tests hierzu waren für mich kein Problem: Ich war kerngesund. Auch die Grundausbildung, 3 Monate Strapazen in Roth bei Nürnberg brachte ich ohne Schwierigkeiten hinter mich.
Nach meiner Grundausbildung wurde ich nach Fürstenfeldbruck in die Offizierschule versetzt. Auch hier hatte ich bis zu diesem verflixten Dezember 1988 keinen Grund zur Sorge. Im Dezember, so weiß ich heute, waren die ersten Anzeichen erkennbar, dass irgend etwas nicht stimmte. Ich bekam häufiger leichte Durchfälle, meine Blutwerte zeigten erhöhte Entzündungsparameter. Außerdem machte mein Knie leichte Schwierigkeiten. Nach erhöhter Belastung bekam ich Schmerzen im Knie. Bis hierhin alles nichts Tragisches. Im Januar 1989 war das sogenannte "Überlebenstraining Land" angesetzt. Genau betrachtet nichts weiter als der Versuch, die Offiziersanwärter an und über die Grenzen den Belastbarkeit zu bringen. Auf Grund der extrem hohen Belastung versagte mein Knie hier nun völlig, ich mußte das Training abbrechen und wurde in der Folge vom Offizierslehrgang abgelöst und nach Germersheim versetzt.
Das war natürlich zunächst ein herber Rückschlag! Ich sollte ein dreiviertel Jahr in Germersheim verbringen, um dann beim nächsten Offizierlehrgang wieder einzusteigen. Ich würde ein komplettes Jahr verlieren.
Ich war nur wenige Wochen in Germersheim, als sich die Durchfälle wieder meldeten. So etwa 6-10 mal am Tag durfte ich die stillen Örtchen in der Kaserne aufsuchen. Die Stabsärzte saßen dem gleichen Irrtum auf wie viele andere Ärzte auch (ohne hier jemandem etwas vorwerfen zu wollen): Sie diagnostizierten eine "ganz normale" Darmgrippe und verordneten 8 Kohletabletten, dreimal täglich (das werde ich wohl nie vergessen). Die einzige Folge davon war, dass mein Stuhlgang sich schwarz verfärbte und ich weiter extrem an Gewicht verlor. Besserung stellte sich nicht ein.
Nach einem freien Wochenende meldete ich mich in der Zweibrücker Kaserne beim Stabsarzt. Dieser hatte schon einen ersten Verdacht und überwies mich nach Koblenz ins Bundeswehrkrankenhaus. Erste Bluttests ergaben wieder erhöhte Entzündungsparameter. Die Ärzte ordneten eine Koloskopie an. Ich hatte ja keine Ahnung, was jetzt überhaupt passieren würde! Ich bekam dieses grässliche Abführmittel verabreicht, durfte nichts mehr essen, nur noch trinken. Am nächsten Tag wurde ich mit Valium versehen in den Untersuchungsraum gebracht und die Koloskopie wurde durchgeführt. Ich wußte gar nicht wie mir geschah und war nur froh, als diese Untersuchung vorbei war.
Einen weiteren Tag später teilten mir die Ärzte das Ergebnis der Untersuchung mit: Die Darmspiegelung und die dabei entnommen Proben wiesen auf eine Darmentzündung hin, die chronisch verlaufen würde. Der Name "Morbus Crohn" sagte mir überhaupt nichts. Ich bekam eine nette Broschüre zu lesen, in der die wichtigsten Informationen stehen sollten. Nun ja, dass Morbus Crohn mit Durchfällen einhergeht, wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon. Was auf mich zukommen würde, welche Therapien möglich sind, wie es beruflich jetzt weitergeht, das konnte mir leider keiner so genau sagen.
Diagnose



