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Therapie
Da stand ich nun, mit einer mir noch nicht verständlichen Krankheit, die unheilbar ist und mein Leben komplett verändern sollte. Die Ärzte im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz setzten sofort auf eine Cortisontherapie. "Cortison?" dachte ich. Als Allergiker spielte ich schon öfters mit dem Gedanken, meine allergischen Beschwerden mit Cortison zu mildern, schreckte aber immer wieder vor den Nebenwirkungen zurück und versuchte meine Allergie anders in den Griff zu bekommen. Jetzt blieb mir kaum eine andere Wahl, Cortison hilft am schnellsten, hieß es.
60 mg Cortison erhielt ich die ersten Tage, dazu noch Salofalk und eines dieser Magensäure bindenden Mittel, die so toll schmecken. Und tatsächlich, nur wenige Tage, und ich fühlte mich wieder topfit. Von dieser Krankheit wußte ich immer noch nicht viel, aber egal, mir ging es ja wieder besser. Nur wenige Monate später, ich nahm nur noch wenige mg Cortison und war wieder im Dienst, ging das gleiche Spiel von vorne los. Ein erneuter Schub zwang mich wieder ins Krankenbett. Die gleiche Reihe von Untersuchungen startete nochmal von vorne und im Krankenhaus Bruchsal lernte ich eine neue Therapie kennen.
Zunächst einmal wurde das restliche Cortison abgesetzt und auch die feste Nahrung wurde wurde auf Null reduziert. Ein paar Tage hing ich so am Tropf und bekam Wiener Schnitzel intravenös. Anschließend wurde ich ganz langsam wieder auf feste Nahrung umgestellt. Angefangen von Spezialnahrung, die sich fast komplett im Magen abbaut, über gedünstetes, nicht gewürztes Hühnchenfleisch bis hin zu richtig fester Krankenhausnahrung bekam ich die breite Palette der Bruchsaler Krankenhausküche zu kosten. Wunderbar, dachte ich, ich brauche nur die richtige Ernährung, und mir kann nichts passieren, dann wird mich Morbus Crohn in Ruhe lassen.
Gespräche mit der Ernährungsberaterin brachten leider schnelle Ernüchterung: Eine spezielle Morbus Crohn Diät gibt es nicht. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich, hieß es. Das mußt Du selbst ausprobieren, bekam ich zu hören. Heute esse ich so ziemlich alles, was mir in den Sinn kommt. Vorsichtig bin ich bei Sauerkraut und anderen Köstlichkeiten in diese Richtung. Wer als "Normalsterblicher" schon Reaktionen auf Sauerkraut zeigt, kann sich vorstellen, wie es bei Darmerkrankungen wirkt.
Ein paar Monate später durfte ich nach Westerland zur Kur. Anscheinend wurde irgendwo vergessen, dass ich neben einer Allergie auch eine chronische Darmentzündung mit mir rumschleppe. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich damals in eine Hautklinik kam, die gar nicht auf Patienten mit Darmerkrankungen eingerichtet war. Trotzdem beschloss ich diese Kur zu geniessen. Einen positiven Aspekt konnte ich dieser Kur auch abgewinnen: Ich lernte das erste Mal etwas über Autogenes Training. Diese Entspannungstechnik, dachte ich früher, sei doch nur etwas für irgendwelche Gurus, die im Schneidersitz auf ihrem Teppich sitzen und Räucherstäbchen abbrennen. Zum Entspannen brauchte ich nur einen Fernseher, sonst nichts.
Weit gefehlt, merkte ich bald. Durch die ersten Tiefenentspannungen lernte ich meinen Körper etwas besser kennen. Ich lernte, an welchen Stellen überall noch Muskeln sind, die man entspannen kann. Nach ein paar Wochen Training war ich dann soweit, dass ich auf Kommando einzelne Muskelgruppen entspannen konnte. So war ich dann auch in der Lage, die öfters verspannte Bauchdecke zu lockern und mir bei akuten Schüben etwas Linderung zu verschaffen.
Bis heute habe ich von vielen weiteren Therapieansätzen bei Morbus Crohn gelesen oder gehört. Alternativmedikamente zu Cortison, Weihrauchbehandlung und andere Mittel und Mittelchen, um die Entzündung in den Griff zu bekommen. Ausprobiert habe ich sie noch nicht. Heute geht es mir relativ gut, kleinere Schübe bekomme ich inzwischen ohne weitere Medikamente in den Griff. Hier hilft mir konzentrierte Entspannung und kurzfristige Ernährungsumstellung auf mir absolut verträgliche Nahrung.
Therapie



